Chronik

Fotos der MG Klosters

Die Gründungsjahre

Über die Gründung und die ersten Jahre der Musikgesellschaft Klosters ist recht wenig bekannt. Die Protokollbücher geben erst ab dem Jahre 1902 genauere Auskunft. Einer Eintragung aus dem Jahre 1912 von Lehrer Florian Hew, dem Verfasser des „Klosterser Heimatbuches", bringt Licht in die dunkle Angelegenheit. Es heisst dort: „Anno 1844 erhielt das Bündner Bataillon 3 eine Bataillons - Musik. Ihr gehörten die Klosterser Jos Florin, Hans Bernet, Georg Brosi und Christian Hew an. Es war dies jedenfalls eine sehr primitive Musik, denn die Instrumente hatten nur zwei Ventile, und sie konnten nur wenige Stücke blasen. Diese Musikanten produzierten sich schon damals dem Volke. Zu dem Zweck begaben sie sich in den Turm und verabschiedeten das alte Jahr mit Trompetenklang, während das Volk auf dem Platz mit Tränen in den Augen den seltsamen Weisen lauschte. Anno 1868 wurde die erste eigentliche Musik gegründet. Ein gewisser Musiklehrer Streif (eine Art wandernder Musikant) kam hierher und brachte richtig eine Musik zustande."



Die ersten zehn Mitglieder waren:

Christian Gruber, Platz Simon Kobel, Platz Andreas Brosi, Platz Bartholomäus Hew, Dörfli Simon Jegen, Platz Johannes Brosi, Platz Andreas Jegen, Platz Georg Dönier, Dörfli Lienhard Guler, Platz Jöri Brosi, Platz

Der erste musikalische Leiter der Musikgesellschaft Klosters schien nicht von sesshafter Natur gewesen zu sein, denn 1882 nahm er wieder seinen Wanderstab und verliess Klosters und die von ihm gegründete Musik. Leider fehlte es dann an einem geeigneten Ersatz. Dass das Musizieren aber nicht ganz aufgegeben wurde, zeigte sich 1896, als Streif plötzlich wieder in Klosters erschien und innert kürzester Zeit eine Musik mit 13 Mitgliedern beisammen hatte. Aber auch dieser zweite Anlauf endete wie der erste. 1902 zog es Streif abermals weiter. Die Suche nach einem Dirigenten zeitigte keine Früchte. Diesmal übernahm der damalige Präsident Georg Hitz den Taktstock.

Im Herbst 1907 wählte die Vereinsversammlung Lehrer Florian Hew zum Dirigenten. Mit Schwung und Optimismus ging dieser dann ans Werk und schon bald beschloss man, neue Instrumente anzuschaffen. Bei dieser Gelegenheit musste der Verein ein Darlehen von Fr. 200.00 aufnehmen, was bei einem Barvermögen von Fr. 15.75 eine erkleckliche Summe darstellte.

Es folgten einige Jahre prächtiger Harmonie bis dann 1913 Auswanderungen und schicksalsbedingte Austritte den Verein derart schwächten, dass die Proben eingestellt werden mussten. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte 1914 die Wiederaufnahme der Proben. Erst im April 1916 formierte sich die Musikgesellschaft wieder neu. Zum neuen Dirigenten wurde Peter Hew gewählt, der auch gleichzeitig das Präsidentenamt übernahm.

Wie weit dieser Personalunion Erfolg beschieden war, ist nicht bekannt. Jedenfalls organisierte sich der Verein im Herbst 1922 wieder einmal neu. Zum Dirigenten wurde Lehrer David Meisser gewählt und der Mitgliederbestand bereinigt. Der neue Dirigent nahm die Zügel fest in seine Hand. Auf den 1. Januar 1923 trat die Musikgesellschaft Klosters dem Graubündner Kantonalen Musikverband bei und schon im Frühjahr des gleichen Jahres beteiligte man sich am kantonalen Musikfest in Untervaz. Der dabei errungene Kranz wurde gebührend gefeiert und ihm einen Ehrenplatz im Schulhaussaal bestimmt.

Kaum hatte sich der Verein gefestigt, wurde er von einer neuen Seite geschwächt. Die Mitglieder aus Klosters Dorf wollten einen eigenen Verein gründen. Über diesen plötzlichen Austritt kam es zu einer unschönen Auseinandersetzung, doch überwand die Musikgesellschaft Klosters diese Trennung ohne sichtbaren Schaden. In den folgenden Jahren erlebte sie einen erfreulichen Aufschwung. Sorgen bereitete nur der oftmals schlechte Probenbesuch. Bussen hatten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Mit der Abgabe einer Anerkennung bei mindestens 90prozentigem Probenbesuch, glaubt man den nötigen Anreiz geschaffen zu haben. Diese Auszeichnung blieb bis heute im Gebrauch Ñ und das Problem trotzdem bestehen!


Bühnenfoto um 1912


Die erste Uniform

Der 27. April 1930 ging als Freudentag in die Annalen der Musikgesellschaft Klosters ein, denn an diesem Tag konnte die lange ersehnte erste Uniform eingeweiht werden. Zu diesem frohen Fest in den Silvretta - Anlagen (heute Kurpark) hatte sich neben den Musikgesellschaften Davos, Küblis und Pany auch die Musikgesellschaft Madrisa aus Klosters Dorf eingefunden, was zeigt, dass inzwischen auch zu diesem Verein gute nachbarliche Beziehungen aufgebaut werden konnten.

Im selben Jahr noch nahm die Musikgesellschaft Klosters am 9. Kantonalen Musikfest in Landquart teil. Der 3. Rang in der 3. Kategorie wurde als Erfolg gewertet.

Bis 1936 gedieh das Vereinsleben unter der straffen Leitung von David Meisser prächtig, dann musste der bewährte Dirigent wegen Überbelastung - er war seit 1927 auch noch Landammann des Kreises Klosters - von seiner Verpflichtung zurücktreten. Aushilfsweise übernahm Sekundarlehrer Michel Jost die musikalische Leitung des Vereins. Im Herbst konnte in der Person von Lehrer Conrad Buol ein neuer Dirigent gefunden werden. Doch die Freude währte nicht gerade lange, denn anfangs 1938 wurde Lehrer Buol zu einem längeren Militärdienst einberufen. Der Vorstand hatte sich bereits nach einem Nachfolger umgesehen und F. Färber aus Davos verpflichten können. Dieser reiste jeweils an einem Samstag von Davos herunter, um hier die Proben und Produktionen zu leiten. Die Kosten für Honorar und Reiseentschädigung wurden dem Verein aber zuviel und er wandte sich an Gemeinde und Kurverein, um eine bessere Unterstützung. In einem Brief an die Schulbehörde ersuchte die Musikgesellschaft Klosters die Schulbehörde, ihr zu einem Dirigenten zu verhelfen. Dieser Brief blieb nicht ohne Erfolg. Auf Veranlassung des Schulrates übernahm Sekundarlehrer Michel Jost den Verein im gleichen Jahr. Niemand ahnte damals, dass die Musikgesellschaft Klosters für die nächsten 30 Jahre der Dirigentensorge enthoben sein sollte!

Andere Sorgen stellten sich aber bald ein, denn kaum ein Jahr später erschütterte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Europa. Trotz der langen Abwesenheit von Dirigent und Mitgliedern durch den Militärdienst, erlitt diesmal das Vereinsleben keinen Unterbruch. Ganz im Gegenteil. Dank dem initiativen Geist des Dirigenten und dem guten Willen der Mitglieder wurden auch in dieser schweren Zeit Unterhaltungs- und Konzertabende, Wald - und Gartenfeste und sogar eine Vereinsreise ins Sertig durchgeführt.


Die erste Fahne

Lange hatte man mit der Anschaffung eines Vereinsbanners gewartet. Als man dann aber an einem kantonalen Musikfest in Scuol feststellen musste, dass die Musikgesellschaft Klosters bald zu den letzten Vereinen im Kanton zählte, die noch keine Fahne hatten, entschloss sich der Vorstand zu einer öffentlichen Sammlung. Am Pfingstmontag 1948 durfte die Musikgesellschaft Klosters erstmals eine Vereinsfahne in Empfang nehmen. Gleichzeitig mit diesem grossen Ereignis feierte der Verein auch sein 80 - jähriges Bestehen, und zum ersten Male wurde an diesem Tage auch ein Bezirksmusikfest in Klosters durchgeführt. Noch im gleichen Jahre nahm der Verein am eidgenössischen Musikfest in St. Gallen teil. Dort schnitt er in der 4. Kategorie im 2. Rang ab. 1953 am nächsten eidgenössischen Musikfest wagte man sich in die 3. Kategorie und erhielt sogar den Goldkranz für den 1. Rang zugesprochen. Nach diesem Erfolg wollte der Verein auch am Eidgenössischen in Zürich teilnehmen. Dazu wurde es aber nötig, die alten Uniformen aus dem Jahre 1930 zu ersetzen. Der Beschluss zur Neu - Uniformierung wurde erst im Januar gefasst, doch dann ging’s rasch ans Werk. Auswahl und Finanzierung waren in kurzer Zeit abgeschlossen und bereits am 30. Juni 1957 fand die Einweihung statt. Am 13. Juli reiste der Verein dann nach Zürich ans eidgenössische Musikfest. Die grosse Belastung durch Neu - Uniformierung und Festvorbereitung forderten ihren Tribut. Trotzdem diesmal nur die 4. Kategorie gewählt wurde, reichte es nur zu einem 2. Rang.

Die Folge war, dass man sich entschloss, einstweilen auf die Teilnahme an Musikfesten zu verzichten und dafür einmal eine grössere Vereinsreise zu unternehmen. So startete der Verein am 25. Juni 1960 zu einer zweitägigen Schweizerreise ins Berner Oberland und in den Jura. 5 Jahre später, am 29. Mai 1965, ging’s wieder auf eine Reise. Diesmal war Heidelberg das Ziel.

1966 war man dann soweit, um wieder an einem eidgenössischen Musikfest teilzunehmen. In Aarau erreichte der Verein in der 4. Kategorie den 1. Rang und am kantonalen Musikfest in Domat/Ems 1967 denselben Rang in der 3. Kategorie.

1968 feierte die Musikgesellschaft Klosters mit einem grossen, dreitägigen Fest ihr 100 - jähriges Bestehen. Vom 5. bis 7. Juli stand ganz Klosters im Zeichen der Blasmusik.

Im Januar 1969 trat Michel Jost nach über 30 Jahren als Dirigent zurück. An seiner Stelle wählte der Verein Plazi Durisch aus Davos. Weil dieser auch noch Dirigent der Musikgesellschaft Davos war, wurde in der Folge öfters mit diesem Verein zusammen musiziert.

Vom 6. bis 10. November 1969 unternahm die Musikgesellschaft Klosters im Rahmen einer Werbeveranstaltung ihre bisher grösste Reise. Diesmal ging’s nach Berlin, wo besonders der Auftritt im Olympiastadion vor 90’000 Zuschauern bleibenden Eindruck hinterliess.

Bereits im Juli 1970 unternahm der Verein wieder eine Reise, diesmal zusammen mit der Musikgesellschaft Davos. Diese war zu einem Gegenbesuch beim Musikverein von Blaubeuren bei Ulm eingeladen worden.


Neue Instrumente, Amerika-Reise, neue Uniformen

Dem allgemeinen Trend folgend, stellte auch die Musikgesellschaft Klosters im Verlaufe des Jahres 1971 auf Brass - Band - Besetzung mit neusilbernen Instrumenten um. Ausgewählt wurden englische Instrumente der Marke Besson, Class A. Mit einer 3 - tägigen Neuinstrumentierungs- Feier vom 21. bis 23. Juli 1972 wurden die aufgebrauchten finanziellen Reserven wieder ins Lot gebracht.

Im Anschluss an die Berlin - Reise hatte sich ein Folklore - Verein Graubünden gebildet, dem die Musikgesellschaft Klosters ebenfalls angehörte. Ziel dieses Vereins war die Durchführung von Werbereisen für unseren Kanton. Als erste, und für die Musikgesellschaft Klosters auch letzte Reise dieser Art, organisierte dieser eine 10tägige Werbereise nach Amerika. Vom 6. bis 14. November 1972 besuchte eine rund 300 Personen umfassende Gruppe aus Graubünden und dem St. Galler Oberland New York, Philadelphia und Washington D.C. Den Klosterser Musikanten bot sich Gelegenheit, an vielen bekannten Orten in diesen drei Städten aufzutreten und zudem erlebnisreiche Tage zu verbringen.

1976 reiste der Verein dann nach Wien. Diesmal allein und ohne Werbeabsicht.

Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Musikgesellschaft Klosters im Jahre 1978. Zum ersten Mal organisierte sie ein kantonales Musikfest und durfte bei dieser Gelegenheit erst noch die neuen Uniformen einweihen. Uniformen deshalb, weil gleich zwei angeschafft wurden, einmal die rote Gala - Uniform und zum anderen braune Blazer mit beiger Hose als „Alltagsuniform".

Den Besuch am eidgenössischen Musikfest in Lausanne 1981 verband der Verein mit einer Reise ins Wallis. Wieder einmal hatte man sich - wie in früheren Jahren - zuviel zugemutet und war vom Abschneiden enttäuscht.


Schwere Zeiten

Am 21. März 1986 starb Johannes Luck, Präsident von 1976 bis 1983, erst 54jährig an den Folgen eines schweren Leidens. Während der Vorbereitungsprobe zur Beerdigung erlitt Dirigent Plazi Durisch einen Herzschlag und verschied auf der Stelle. So standen die Musikanten mit ihrer Trauer über den Verlust der beiden beliebten Musikkameraden und ohne Dirigent da. Nach intensiver Suche fand der Verein im Leiter der Prättigauer Musikschule, Jürg Brüesch, einen qualifizierten Dirigenten, der schon Ende April die Probenarbeiten mit dem Verein aufnahm. Rasch hatten sich beide aneinander gewöhnt, Dirigent und Bläser. Hoffnungsvoll glaubt man, eine neue Ära beginnen zu können, als aus heiterem Himmel die furchtbare Nachricht eintraf, dass der erst 32 Jahre alte Jürg Brüesch am 6. November 1988 einem Unfall in seiner Wohnung zum Opfer gefallen sei. In der folgenden schweren Zeit hielten die Mitglieder zu ihrem Verein. Lucia Canonica aus Unterägeri, die schon einmal Jürg Brüesch während eines halbjährigen Auslandaufenthalts vertreten hatte, übernahm den verweissten Taktstock vorübergehend. Das ging, solange sie die halbe Woche für die Musikschule arbeitete. In Herbert Egli hatte der Verein ein Mitglied, das sich in Notzeiten immer wieder als Vize - und Aushilfsdirigent zur Verfügung stellte. So konnten auch diese schweren Zeiten überwunden werden.


Neuer Mut und neue Hoffnung

So unverhofft, wie die Musikgesellschaft Klosters in der Vergangenheit oftmals ohne musikalischen Leiter dastand, kam sie im Sommer 1990 zu einem neuen Dirigenten. Aus beruflichen Gründen hatte Roland Heutschi seinen Wohnort von Matzendorf SO nach Klosters verlegt. Hier suchte er Anschluss an einen Musikverein, kam aber gerade recht, um die Direktion der Musikgesellschaft Klosters zu übernehmen, da er die nötige Ausbildung mit sich brachte. Bereits unter der Direktion von Plazi Durisch hatte man mit einer konsequenten und ausgedehnten Jungbläser - Ausbildung begonnen. Unter seiner und später unter derjenigen von Johannes Kasper wurden Jugendliche in die Geheimnisse der Blasmusik eingeführt. Damit verjüngte sich der Verein in den letzten Jahren merklich und sicherte sich seinen Fortbestand.

Unter grossem Einsatz von Dirigent Roland Heutschi und Jürg Clavadetscher gelang es sogar, eine Jugend-Band auf die Beine zu stellen, die aus den fortgeschrittenen Schülern und jüngeren Mitgliedern des Vereins besteht. Mit so vielen jugendlichen Bläserinnen und Bläsern im Hintergrund darf die Musikgesellschaft Klosters mit Zuversicht in die Zukunft blicken.


Bis zum Millenniums-Wechsel

Derart verjüngt wurde es schwierig, an Musikfesten mit Wertungen teilzunehmen, weil der Verein in seiner Zusammensetzung einem grossen Wandel unterworfen war. Roland Heutschi versuchte es trotzdem: Am Kantonalen Musikfest in Felsberg 199?, am Bezirksmusiktag in Zizers 199? und an einem solchen in Maienfeld 1999. Der Erfolg war jeweils im Vergleich zum Aufwand recht bescheiden und die Begeisterung für derartige Teilnahmen hielt sich in Grenzen. Höhepunkt und Tradition wurde hingegen das Jahreskonzert in der Turnhalle des Primarschulhauses. Anfänglich, noch vor der Ära Heutschi, war dieser Abend für die Gönner- und Passivmitglieder jeweils mit einem Theater verbunden. Später verzichtete man auf diesen zusätzlichen Aufwand und bot den Freunden der Musikgesellschaft ein abendfüllendes Konzert mit vielen zeitgenössischen Stücken aus der Unterhaltungsbranche.

Eine Musikreise von 1995(?) führte ins Elsass und nach Rust in den Europapark. Eine weitere 1997 in die engere Heimat des Dirigenten, nach Matzendorf im Kanton Solothurn.

Mit Stolz darf die Musikgesellschaft Klosters darauf hinweisen, dass sie auch am letzten Tag des 20. Jahrhunderts am Abend auf dem Kirchplatz ihr traditionelles Altjahrsständchen aufgeführt und damit das 2. Jahrtausend gebührend verabschiedet hat.